Dunkelheit ist Licht und Licht ist Dunkelheit. Details und Farben werden
dadurch stärker akzentuiert und überraschen mit ihrer vielschichtigen
Leuchtkraft. Die Umkehrung der üblichen Polaritäten des Sehens ist für
mich überwältigend in ihrer leuchtenden Präsenz.

Licht wird definiert als das Sichtbare, das Offene. Es suggeriert Weite,
beleuchtet, offenbart und wärmt. Licht wird mit Harmonie und Freude
assoziiert.

Dunkelheit gilt als das Unsichtbare, das Verborgene. Sie erzeugt Tiefe,
kontrastiert und schärft die Wahrnehmung. Mit Dunkelheit wird Kälte und
Furcht vor dem Unbekannten verbunden.

Aber das Licht ist auch der Tag, der die Wahrnehmung und die äußere Manifestation bringt, während die Dunkelheit die Nacht ist, die den Traum
und die innere Wandlung ermöglicht.

In absolutem Licht und absoluter Dunkelheit gibt es keine erkennbare
Form. Erst der Übergang zwischen dem einen und dem anderen Extrem
lässt Kontrast zu und macht Konturen sichtbar.

Licht und Dunkelheit sind die Transformationspole der Wahrnehmung.

Für mich sind es aber auch die Katalysationspunkte der Lebensenergie,
die sich
  in jedem Augenblick des Lebens in scheinbar gegensätzlicher
Form darstellt, deren Potenzial sich aber erst im Zusammenspiel
beider Teile in ihrer Ganzheit erschließt.


                                                                               Ralf Bertram